gras gras1 Drei Wochen sind bereits vergangen, seitdem ich auf der Insel angekommen bin. Das Leben hier ist vergleichbar zu Melbourne tatsächlich sehr öde, dennoch habe ich nichts Anderes erwartet. Abgesehen von ein paar überteuerten, für Touristen geschaffenen Läden gibt es hier nichts. Man könnte meinen, Aldi und der Sushiladen nebenan, wären hier meine treuesten Begleiter haha.

Nichtsdestotrotz kann man Phillip Island ein wenig Charme abgewinnen. Schon allein der Fakt, dass Miley Cyrus‘ Göttergatte Liam Hemsworth hier aufgewachsen ist, verleiht der Insel einen Pluspunkt. Außerdem wird die Insel fast tagtäglich in ein klares, warmes Sonnenlicht getaucht und verzaubert mit zahlreichen,herumhüpfenden Wallabies. Die Küstenlandschaft beeindruckt mich mit ihren immensen Wellenlöchern immer wieder aufs Neue. Und Dank des minimalen Radius‘, bin ich zu einem echten Radfahrfanatiker geworden.

Man könnte meinen, dass ich zu einem kleinen, aber feinen „Local“ heranwachse. Und aus diesem Grunde, möchte ich euch das Vorurteil, „Phillip Island wäre nur zum Pinguin beobachten ansehnlich“, schnell aus den Köpfen streichen! Denn ist man einmal hier, gibt es viel bezauberndere Dinge zu sehen als fünfundzwanzig Dollar für eine labbrige Pinguin Parade aus dem Fenster zu werfen.

phillip_island1 Radtouren:

Ich lebe in Cowes und somit in der größten und lebendigsten Stadt der Insel. Von hier aus kann man ganz easy zu den Nobbies (14km) oder dem Rhyll Inlet State Wildlife Reserve (5km) düsen und einen gigantischen Ausblick genießen. Dabei passiert man den Koala Conservation Park und Unmengen an Wallabies, den kleineren Kängurus.

Surfspots 

waves

Eine Sache die ich am Inselleben besonders feire ist, dass eine Hälfte des Landes an den Ozean angrenzt und man somit endlich die Möglichkeit hat, seinen Surfgeist zu entfalten. (Minuspunkt für Melbourne) Auch wenn die Wellen hier eher für Quereinsteiger geeignet sind, kann man eine Menge dazulernen und sich auf die größeren Wellen weiter östlich vorbereiten.

„Surf Beach“ wirbt zwar mit seinem Namen,   allerdings kommt ihr am „Smiths Beach“ mehr auf eure Kosten. Dieser ist bei Locals als DER Strand für gute Wellen bekannt und dementsprechend auch immer gut gefüllt!

phillip_islandGeheimtipp

Ich dachte, euch könnte mein Undergroudnwissen interessieren. Jeden Tag gegen zwölf Uhr könnt ihr im Hafen von San Remo eine Pelikanfütterung miterleben. Etliche Pelikane kommen für diese Fütterung an Land und lassen es sich ordentlich gutgehen. Alles gratis. Wer Geduld hat, kann anschließend auch einige Rochen beobachten, die sich ihren Weg zum übergebliebenen Futter verschaffen. Die Dinger sind riesiger als riesig!

pelikan_pelikan_parade_phillipislandWalking Trails

Wie ich bereits angesprochen habe, ist das Rhyll Inlet ein wirklich bezaubernder Ausflugsort. Eine gute Stunde benötigt man, um die im Wäldchen gelegenen Holzpfade zu überqueren. Am Zielort angekommen, wird man von einem schimmernden See in Empfang genommen, der unzählige gesellige Wassertiere in sich birgt. Es ist die Bucht, in der all das Wasser des Western Port Bays zusammenkommt.

Churchill Island ist ein weiterer, spannender Walking Trail, den man unbedingt erkunden sollte. Es ist eine kleine,separate Insel neben Phillip Island, auf der einzig und allein eine Familie lebte. Diese war mit ihrer Farm völlig abgeschnitten und nicht einmal durch eine Brücke zu anderen Inselbewohnern verbunden. Die Farmer mussten täglich auf Ebbe warten, um ihre Kühe durch das Watt zu treiben. Heute gibt es dort nur noch extrem guten Kaffee und eine interessante Lebensgeschichte zu entdecken.phillip_island_nobbies

Cape Woolamai ist der höchste und wohl schönste Ausblickspunkt der Insel. Von hier aus hat man einen herrlichen Überblick auf ganz Phillip Island und dazu versammeln sich tausende von Lebewesen, unter anderem eine der giftigsten Schlangenarten die „Red Bellied Black Snake“.

Tagestrips  

Phillip Island bietet die Möglichkeit, eine fantastische Bootstour zu den Nobbies mitzuerleben. Die Nobbies sind eines der Wahrzeichen hier und beherbergen duzende Robben, Pinguine und andere Meeresgeschöpfe. Auf der Fahrt kann man mit Glück auch Wale oder Delphine beobachten und ein Halt an romantischen Buchten wird auch mit drin sein 🙂 Ich habe diese Tour bisher noch nicht erfahren, aber es steht schon ganz weit oben auf der Bucketlist!

Hat man keinen Bock auf Robben, kann man sich auch zur French Island chauffieren lassen. Diese Insel liegt direkt im Western Port Bay und zeichnet sich durch seine unberührte Natur aus.

Die Pinguin Parade ist allerdings DAS Highlight Phillip Islands und zieht jedes Jahr Millionen von Besuchern an. Ich finde es ehrlich gesagt überflüssig und so denken hier auch die meisten Locals, denn was man hier für viel Asche bekommt, kann man in Melbourne auch gratis erleben..

Zu guter Letzt noch der Island Circuit Grand Prix. Wer auf Motorräder und Wettrennen steht, ist hier genau richtig. Hier wird die jährliche Weltmeisterschaft ausgetragen.

nobbies_phillipisland Nachtleben

Das Partyleben ist hier eher minder schön. Zur Auswahl stehen am Wochenende die „Trumpet Bar“ oder das „Hotel“. In beidem werdet ihr mehr Melbournies als Locals antreffen, aber dadurch bleibt es wenigstens immer etwas Besonderes.  Und wem das noch nicht reicht, der kann sich ja gemütlich mit einer getarnten Flasche Wein an den Strand setzen 😛 (Beachparties gibt es hier im Überfluss)

 

 Cafés und Restaurants

Zu meinen Lieblingen gehören hier das „Island Whole Foods „, „Waterboy Café“   und das direkt am Strand gelegene „Mad Cowes“ 

 

Ich hoffe, ich konnte euch hiermit einen kleinen Einblick ins Inselleben geben und euch für Phillip Island begeistern. Freue mich über jedes Feedback! 🙂

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img_5590 Melbourne. Du und ich, das ist wie eine Hassliebe. Erst bringst du mich dazu, mich in deine strahlende Unschuld zu verlieben und im selben Moment würdest du mir nicht einmal die Hand reichen, wenn ich dem Abgrund nahe bin. Was ich damit sagen möchte, du trügst. Du bist mir erst entgegengekommen, als ich bereits drauf und dran war zu flüchten. Und nun sieh mich an, ich sitze in einem Bus, der Zivilisation desertierend. Deine atemberaubenden Wolkenkratzer ziehen an mir vorbei. Ich befinde mich auf meinem Weg, Ruhe vor dir zu finden. Auf einer Insel. Mit gerade mal 10.000 Einwohnern. Danke für die schöne Zeit, aber ich denke es ist gut, mich für einige Monate von dir zu trennen. Ich werde wiederkommen, keine Frage. Du hast mich einfach zu sehr verzaubert, als dass ich mich so einfach von dir losreißen könnte. Aber erstmal ist genug mit den Spielchen. Genug von dieser Hassliebe.

Natürlich wusste ich vor meiner Abreise, dass Australien kein märchenhafter Traum werden wird. Kein Rosentanz. Kein Zuckerschlecken. Nein! Ich wusste, es wird eine harte Zeit. Man ist auf sich selbst gestellt, man muss den eigenen Konsum kontrollieren. Man muss planen, einordnen, mitdenken. Doch so ehrgeizig wir es versuchten, desto weniger kam dabei heraus. Ich wusste auch, dass die Australier einen Fetisch haben, Backpacker  auszunutzen. Wer würde das nicht.

Aber dass ich diese Erfahrung am eigenen Leib erleben würde, war mir nie bewusst. Ich dachte, das wird schon. Irgendjemand wird sich schon finden. Ha! Falsch! Wie sehr wünsche ich mir, Australien wäre wie eine Attraktion auf Tripadvisor, der man eine deftig ausführliche Bewertung an den Kopf schmeißen könne. 

melbourne_1 melbourne_art_graffitimelbourne_federation_squareDie Wahrheit ist, wir haben eine Woche nachdem wir in Melbourne strandeten, eine Stelle in einem Restaurant gefunden. Dieses hätte nicht paradiesischer sein können. Mitte am Strand, eines der besten Restaurants Australiens, nettes Umfeld, grandiose Bezahlung. Aber, ein Haken war da. So tolerant wie sich die Leute dort den Menschen von Übersee auch gegenüberstellten, desto weniger waren sie es. Wir sollten binnen zwei Tagen alle Gerichte, Weine, Cocktails, Biere auswendig wissen. Hört sich einfacher an als es ist. Aber. Es ist menschlich von jemanden zu verlangen, zu wissen was wozu gehört. Es ist unmenschlich von jemanden zu verlangen, zu wissen woher, wann, wie, Geschichte, Preis, Geschmack und Co. , wenn man als Chef selbst keine Ahnung hat.

Mittlerweile bin ich es ja gewohnt, dass man in der Gastronomie keine Schulung bekommt. Irgendwo finde ich das auch gut. Unter Druck kann man sich nunmal besser einarbeiten. Aber bei einer Neueröffnung selbst als Manager so unorganisiert und verplant zu sein. Traurig. Uns wurden Gründe an den Kopf geworfen, die dreister nicht hätten sein können. Die eigenen Schuld wir natürlich nie in Frage gestellt. Irgendwo bin ich auch froh dort wieder raus zu sein, aber wir haben uns die größte Mühe gegeben. Und als Dank bekamen wir eine Woche lang nicht mal den geringsten Bescheid, was nun Sache ist. Merci. 

melbourne_australia1 melbourne_eureka_tower Nun, nach diesem Desaster, machten wir uns auf den Weg unsere Curriculum Vita’s –  kurz Lebensläufe – zu verteilen. Gute zwanzig Stück gingen dabei aus unseren Händen. In ganz Melbourne. Uns wurde versichert, man würde sich melden. Wir hätten eine Handvoll Erfahrungen vorzuweisen. Gebracht hat es folgendes. Ein Anruf.

Voller Erwartungen machten wir uns nun zum hoffentlich nächsten Arbeitgeber. Dieser schien vollends überzeugt von uns zu sein. Bedankte sich während der Schicht bei uns, was wir für einen guten Job machten. Wir bekamen Essen umsonst, das Arbeitsklima machte einen wunderbaren Eindruck. Nun der erneute Haken. Immer wieder hörten wir, dass es zwei Ausfälle für diesen Abend gab und sie nun froh sind Ersatz zu haben. Ersatz. Auf der Suche nach etwas zu trinken, stieß ich dann auf einen unfassbar hohen Stapel Lebensläufe. Normalität? Natürlich. Am Ende des Abends wurde uns versichert, wir dürften wiederkommen. Sie würden sich bei uns melden. Uns einen Anruf geben. Witzig, dass wir für acht Stunden Arbeit labbrige vierzig Dollar bekamen. Danke für Nichts! 

melbourne_graffiti melbourne1Die Suche ging über sämtliche Onlineportale weiter. Zwei Wochen lang meldete sich keiner. Erst jetzt, drei Tage vor meiner Abfahrt, bekam ich unzählige Mails. Ich lehnte dankend ab, denn ich würde mein Glück nun auf Phillip Island versuchen. Ich hatte mir das anders vorgestellt. Aber bin dennoch dankbar nun bei Deutschen anfangen zu können. Denn ich weiß einfach, dass Deutsche eine andere Auffassung von Arbeitsmoral haben.

Ich möchte natürlich niemanden entmutigen, Arbeit in Melbourne zu finden. Mir selbst bricht es das Herz, dass ich diese zauberhafte Metropole verlassen muss. Aber jedem sollte bewusst sein, wie hart es wird. Ihr findet auf dem Land viel einfacher eine Arbeitsstelle als in der Großstadt. Logisch. In den Städten ist jeder ersetzbar in kürzester Zeit. Auf dem Land sind sie über jede Hilfe dankbar. Und falls alle Stricke reißen sollten, gibt es ja immer noch WWOOFING und Workaway. Arbeiten für Kost und Unterkunft.

Ich denke so eine kleine Auszeit von der Extreme tut mal ganz gut. Auch meinen Alkoholkonsum werde ich damit wohl einstellen können haha.

Melbourne, ich liebe dich trotzdem! 

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